Donnerstag, 4. Februar 2021

"Roboter träumen nicht" von Lee Bacon




Titel: Roboter träumen nicht
Autor: Lee Bacon
Illustratorin: Nathalie Kranich
Übersetzer: Ulrich Thiele
Verlag: Loewe Verlag GmbH (13. Januar 2021)
Seiten: 336
Vom Hersteller empfohlenes Alter: ab 10 Jahren


Vor dreißig Jahren sind die Menschen ausgestorben. Jetzt wird die Welt von Maschinen beherrscht. Der Roboter XR_935 findet das genau richtig so. Denn ohne die Menschen gibt es keinen Krieg, keine Umweltverschmutzung, keine Verbrechen. In der Robotergesellschaft läuft alles reibungslos und effizient – bis zu dem Tag, an dem XR etwas Unmögliches entdeckt: einen Menschen. Ein Mädchen, das seine Hilfe braucht …
(Bild- und Textquelle: Loewe Verlag)




Meine Meinung:



Es gibt Bücher, auf die freut man sich eine halbe Ewigkeit, bis man sie dann endlich in der Hand hält. Man kann es kaum erwarten, sie zu lesen und schraubt unbewusst die Erwartungen immer höher und höher...
Und es gibt Bücher, die hat man überhaupt nicht auf dem Schirm, die liest man ohne grosse Erwartungen und die schlagen ein wie eine Bombe. Und so ein Lesehighlight, das mich total positiv überrascht hat, ist "Roboter träumen nicht" von Lee Bacon.

Die Geschichte spielt in der Zukunft. Vor dreissig Jahren sind die Menschen ausgestorben und die Welt wird von Maschinen beherrscht. In der Robotergesellschaft läuft alles reibungslos und effizient. Jeder wurde genau für seine Arbeit konstruiert und dieser geht er tagein tagaus nach. 
Auch der Roboter XR_935 findet das so genau richtig, denn ohne Menschen gibt es keine Umweltverschmutzung, keine Verbrechen und keinen Krieg. Gemeinsam mit seinen Roboterkollegen SkD_988, der nur per Emojis kommunizieren kann, und Ceeron_902 baut er Solaranlagen. 
Alles läuft wie am Schnürchen, bis zu dem Tag, an dem die drei Roboter etwas Unmögliches entdecken: ein Mädchen, das ihre Hilfe braucht. 

In Gedanken liess ich ein Dutzend alternativer Algorithmen durchlaufen. Keiner davon lieferte eine zufriedenstellende Antwort.
Die Kreatur vor meinen Augen war ein Paradox.
Zwei widersprüchliche Tatsachen trafen gleichermassen zu.
[1] Die Menschen sind ausgestorben.
[2] Vor mir steht ein Mensch.     (Seite 58)

XR_935 ist mit dieser Situation total überfordert, denn die Menschen wurden doch eliminiert. Und doch steht dieses Mädchen vor ihm. Es braucht einiges an Zeit und Überwindung, bis er sich auf die neue Situation einlässt.

Das Paradox presste eine Hand auf seinen Brustkorb. "Ich heisste M.A."
Ich betrachtete es verwunder. "M.A.?"
Das Paradox schüttelte den Kopf und wiederholte seine Antwort langsamer, wobei es die beiden Silben diesmal deutlich hörbar miteinander verband. "Emmmmma."
[...]
Ich passte meine Sprachausgabe an und versuchte es noch einmal. "Emma."     (Seite 59)

Und so kommt es, dass drei Roboter ihren Arbeitsplatz verlassen und sich auf ein Menschenmädchen einlassen, das ihr ganzes Denken über den Haufen wirft. Ein grosses Abenteuer beginnt. 

"Roboter träumen nicht" ist ein ganz spezielles Buch. Durch die Erzählperspektive eines Roboters bekommt man eine andere Sicht auf die Menschheit, was einen zwischendurch nachdenklich stimmt. Doch die Geschichte lebt genau von diesen besonderen Protagonisten. Sie ist spannend, cool, berührend und bringt immer wieder witzige Szenen mit sich. 

Schnell habe ich die drei Roboter in mein Herz geschlossen, denn obwohl sie alle 'nur' Technik sind, haben sie ihre Eigenarten und vor allem 'das Herz' auf dem richtigen Fleck. XR_935, SkD_988 und Ceeron_902 denken und fühlen anders und genau das macht "Roboter träumen nicht" zu einem besonderen Leseereignis. Lee Bacon setzt Schwerpunkte auf Empathie, Vorurteile und Freundschaft.

Mit den tollen Illustrationen von Nathalie Kranich, verschiedenen Schriftarten und kurzen Kapiteln ist das Buch total abwechslungsreich und lässt sich trotz tiefgehender Geschichte locker und leicht lesen.
Genau solche Kinderbücher braucht es!





Fazit:


"Roboter träumen nicht" ist ein ganz besonderes Buch. Im Kinderbuchbereich gibt es nicht wahnsinnig viele Science Fiction Geschichten - vor allem nicht solch intelligente, berührende, witzige und spannende...
Lee Bacon bietet uns ein Abenteuer aus der Perspektive eines Roboters, mit dem er mich vollkommen überzeugen konnte. Ein klasse  Buch ab 10 Jahren, das ich nur jedem weiterempfehlen kann.




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